St. Jost Pilgerpfad

St. Jost Pilgerpfad im Fischbachtal – ein Trimm-dich-Pfad für die Seele

Manche Wanderwege bringen dich zu Aussichtspunkten, andere zu Burgen, Schlössern oder besonderen Naturerlebnissen. Und dann gibt es Wege, bei denen nicht nur deine Beine, sondern auch deine Gedanken in Bewegung kommen.

Der St. Jost Pilgerpfad im Fischbachtal gehört genau in diese Kategorie.

Auf rund 16 bis 21 Kilometern, je nach gewählter Wegvariante, führt dich der Pilgerweg durch die abwechslungsreiche Landschaft rund um Fischbachtal. Du wanderst durch stille Wälder, über Wiesen und Höhenzüge, kommst an Quellen, Kapellen und historischen Orten vorbei und kannst dabei immer wieder innehalten.

Nicht umsonst wird der Weg gerne als „Trimm-dich-Pfad für die Seele“ bezeichnet.

Weitere Informationen findest du hier: www.st-jost.fischbachtal.de

Auf den Spuren von St. Jost

Deine Pilgerwanderung beginnt an einem ganz besonderen Ort: der St.-Jost-Kapelle im Wald bei Niedernhausen.

Heute wirkt der Platz ruhig und beinahe geheimnisvoll. Zwischen Wald und Wiesen findest du dort einen Altar, ein Steinkreuz und die markierte Fläche der ehemaligen Kapelle.

Die Geschichte dieses Ortes reicht weit zurück. Hier soll einst eine dem heiligen Jost – auch Jodokus oder Jodok genannt – geweihte Kapelle gestanden haben. Über ihre genaue Entstehungszeit und Funktion ist allerdings nicht alles eindeutig geklärt. Überliefert ist außerdem die Geschichte eines Einsiedlers, der früher an diesem abgelegenen Ort gelebt haben soll.

Die letzten Reste der alten Kapelle sollen 1818 abgebrochen worden sein. Teile des Baumaterials wurden vermutlich anschließend in Gebäude in Niedernhausen verbaut. Heute erinnern Steine, ein Kreuz und der Altar an die verschwundene Kapelle.

Ein Altar mit besonderer Geschichte

Besonders interessant ist der heutige Altar an der Kapellenstätte.

Er stammt nämlich aus der St.-Johannes-der-Täufer-Kirche in Niedernhausen. Als die Kirche 1989 renoviert wurde, erhielt sie einen neuen Altar. Der Vorgänger fand anschließend hier draußen im Wald einen neuen Platz – genau dort, wo einst die St.-Jost-Kapelle gestanden haben soll.

Damit verbindet dieser stille Waldplatz gleich mehrere Kapitel der Fischbachtaler Kirchengeschichte.


Pilgern durch das Fischbachtal

Der St.-Jost-Pilgerweg führt dich anschließend durch das Fischbachtal und verbindet verschiedene religiöse, historische und landschaftliche Besonderheiten miteinander.

Der Weg besteht seit 2008 und führt durch die Ortsteile des Fischbachtals und zu verschiedenen Gottesdienstorten.

Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell am Ziel anzukommen.

Pilgern bedeutet, unterwegs zu sein.

Du kannst schweigend gehen, dich mit anderen unterhalten, die Landschaft betrachten oder einfach deine Gedanken schweifen lassen. Genau diese Mischung macht den besonderen Charakter des Weges aus.

Unterwegs erwarten dich immer wieder Stationen, an denen du innehalten kannst.

Dazu gehören beispielsweise:

  • die St.-Jost-Kapelle
  • die Zwölf Apostel bei Nonrod
  • das Rimdidim
  • die Orte Steinau und Billings
  • die Schneckenkapelle
  • historische Quellen und Brunnen
  • Schloss Lichtenberg
  • die St.-Johannes-der-Täufer-Kirche in Niedernhausen

Naturerlebnis inklusive

Auch wenn der religiöse Gedanke im Mittelpunkt steht, musst du natürlich nicht besonders religiös sein, um den Weg zu genießen.

Denn landschaftlich hat die Strecke einiges zu bieten.

Du wanderst durch die für den Odenwald typische Mischung aus Wald, Wiesen, kleinen Tälern und Höhenzügen. Immer wieder öffnen sich Ausblicke über das Fischbachtal.

Gerade wenn du den Weg zu einer ruhigeren Jahreszeit gehst, kannst du hier eine besondere Stille erleben. Das Plätschern eines Baches, Vogelstimmen und das Rascheln der Blätter gehören dann fast selbstverständlich zur Wanderung.

Und vielleicht ist genau das die schönste Form des Pilgerns: Du gehst los, ohne zu wissen, welche Gedanken dir unterwegs begegnen.


Ein Weg mit vielen kleinen Geschichten

Eine Besonderheit des St.-Jost-Pilgerweges sind die zahlreichen Stationen am Weg.

Sie machen die Wanderung abwechslungsreich und zeigen dir, wie eng Natur, Geschichte und Religion im Fischbachtal miteinander verbunden sind.

Die Schneckenkapelle in Billings

Eine besonders ungewöhnliche Station ist die Schneckenkapelle in Billings.

Schon von außen fällt ihre ungewöhnliche Architektur auf. Sie wurde in den 1960er-Jahren errichtet und wirkt mit ihrer modernen Form bis heute überraschend zeitgemäß. Bei den Ökumenischen Pilgertagen wird sie regelmäßig als Raststation genutzt.

Hier kannst du also eine Pause einlegen, deinen Rucksack auspacken und einmal durchatmen.

Schloss Lichtenberg

Auch Schloss Lichtenberg liegt am Weg beziehungsweise lässt sich wunderbar in die Pilgerwanderung einbeziehen.

Das Renaissance-Schloss thront weithin sichtbar über dem Fischbachtal und ist heute eines der Wahrzeichen der Gemeinde.

Wenn du hier vorbeikommst, lohnt sich ein kleiner Abstecher. Die Schlossanlage ist frei zugänglich und eröffnet dir noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Geschichte der Region.

So wird aus dem Pilgerweg gleichzeitig eine Zeitreise durch das Fischbachtal.


Der Ökumenische Pilgertag

Besonders lebendig wird der St.-Jost-Pilgerweg einmal im Jahr beim Ökumenischen Pilgertag.

Seit vielen Jahren treffen sich dabei Menschen aus unterschiedlichen christlichen Traditionen, um gemeinsam ein Stück des Weges zu gehen.

Der Tag beginnt traditionell mit einem Gottesdienst beziehungsweise einer Andacht an der St.-Jost-Kapelle. Unterwegs gibt es Stationen mit Texten, Liedern, Gebeten und Impulsen. Dabei wechseln sich bewusst Zeiten des Schweigens mit Gesprächen und Begegnungen ab.

Das Schöne daran: Du musst nicht alleine pilgern.

Gerade die Gespräche unterwegs gehören für viele Teilnehmer zu den besonderen Erfahrungen dieses Tages.

Der Pilgertag wird gemeinsam von kirchlichen und kommunalen Akteuren sowie engagierten Ehrenamtlichen organisiert.

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