Eine alte Ringwallanlage auf der Altscheuer
Wenn Du auf die Bergkuppe der Altscheuer wanderst, fallen Dir möglicherweise die wallartigen Erhebungen rechts und links des Weges auf. Sie wirken auf den ersten Blick wie natürliche Geländeformen – doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass sich dahinter die Reste einer historischen Anlage verbergen.
Um was handelt es sich hierbei? Und welchen historischen Bezug hat dieser Ort?
Gleich hinter Lichtenberg erhebt sich über dem Fischbachtal die Altscheuer. Dies ist der Name des Berges, der eine Höhe von 376,2 Metern erreicht.
In früheren Zeiten trug der Berg auch den Namen „Querleberg“. Dieser Name leitet sich vom nahegelegenen Querlebach, dem heutigen Kernbach, ab. Beides führt uns wiederum zum Namen „Querleburg“ – einer Anlage, die auf der Kuppe der heutigen Altscheuer gelegen war und deren Reste noch heute im Gelände sichtbar sind.
Hierbei handelt es sich um eine sehr alte Ringwallanlage. Die Entstehungszeit dieser Festungs- und Verteidigungsanlage wird heute in die Zeit der alemannischen Landnahme eingeordnet.
Nach dem Zusammenbruch des Limes und dem damit einhergehenden Rückzug des Römischen Reiches drangen allmählich andere germanische Volksstämme in die zuvor römisch geprägten Gebiete vor. Dabei vermischten sie sich teilweise mit der bereits ansässigen Bevölkerung.
Lange Zeit vertrat man die Ansicht, dass es sich bei den Resten der hier beschriebenen Anlage um Überbleibsel einer keltischen Besiedlung handele.
Die Kelten waren ein Volk von Ackerbauern und fähigen Schmieden. Sie waren jedoch nicht als einheitliches Volk organisiert, sondern in zahlreiche Stämme aufgeteilt, die teilweise auch gegeneinander Krieg führten. Die wichtigsten Überlieferungen über die Kelten verdanken wir Julius Cäsar. Er bezeichnete die Kelten im Allgemeinen als „Gallier“. Auf seinen Berichten beruht unter anderem auch das Bild, das wir heute aus der bekannten Comicserie kennen.
Um sich vor ihren Feinden zu schützen, legten die keltischen Stämme sogenannte Fliehburgen an. Die dazugehörigen Siedlungen lagen meist in der Nähe einer solchen Anlage.
Fliehburgen waren häufig strategisch günstig auf einer Bergkuppe gelegen. War Gefahr im Anzug, konnten sich die Menschen aus der umliegenden Bevölkerung in den Schutz der Fliehburg zurückziehen.
Die Fliehburg beziehungsweise Ringwallanlage bei Lichtenberg wird im Allgemeinen als „Heuneburg“ bezeichnet. Eventuell geht dieser Name auf die weitaus bekanntere Anlage in der Nähe des Ortes Herbertingen zurück.
Die Heuneburg war in ihrer Ausdehnung in etwa der Form der Bergkuppe der Altscheuer angepasst. Die Anlage hatte eine ovale Form und eine Ausdehnung von etwa 180 × 120 Metern. Die einst hier vorhandene Mauer hatte, wie man bei Grabungen feststellen konnte, eine Stärke von etwa 3 bis 3,50 Metern und war im typisch keltischen Stil errichtet.
Dabei handelte es sich um ein mit schweren Holzbalken versehenes Gerüst, das mit einer Granitfüllung versehen war. Diese Bauweise hatte den Vorteil, dass die Mauer weniger brandempfindlich war. Gleichzeitig wurde die Steinfüllung durch die Holzkonstruktion vor den Auswirkungen von Mauerbrechern geschützt.
Die Heuneburg hatte nur einen einzigen Zugang. Dieser lag an der Ostseite der Anlage.
Heute findest Du hier im Wald noch immer die Reste der alten Wallanlage. Allerdings erscheint diese auf den ersten Blick eher wie ein abgesackter Erdwall. Wenn Du genauer hinschaust, kannst Du die Ausdehnung der ehemaligen Anlage noch deutlich erkennen. Bei voller Belaubung erschwert der Baumbestand jedoch teilweise den Überblick über das Gelände.
Neue Erkenntnisse
Die Zeiten ändern sich – und mit ihnen auch unsere Sicht auf historische Zusammenhänge.
Heute geht man von einer Entstehung der Anlage in der Zeit der alemannischen Landnahme beziehungsweise Okkupation aus, also im 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus.
Aufgrund der vergleichsweise geringen Größe der Anlage von etwa 2,1 Hektar nimmt man an, dass es sich möglicherweise um den ehemaligen Sitz eines regionalen Herrschers, eines sogenannten Kleinkönigs, gehandelt haben könnte.
Wer die Anlage errichten ließ und für wen sie genau bestimmt war, liegt jedoch weiterhin im Dunkel der Zeit.*
Ein alemannischer Kleinkönig (lateinisch regulus) war in der Spätantike und im frühen Mittelalter der Anführer eines Teilstammes oder eines begrenzten Herrschaftsgebietes (pagus) der Alamannen.
Bisher wurden im Bereich der „Heuneburg“ keine gesicherten Belege für diese Annahme gefunden. Vielleicht werden zukünftige Forschungen oder Grabungen weitere Erkenntnisse über die Vergangenheit dieses besonderen Ortes liefern.
Heute findest Du hier ein historisches Bodendenkmal.
Zum Verweilen laden Bänke und eine Schutzhütte ein.
Bitte beachte: Sondengänge, Grabungen und ähnliche Eingriffe in den Boden sind nicht erlaubt!
* Diese neuen Erkenntnisse gehen auf Informationen von Herrn Dr. Göldner, Abteilung Archäologie und Paläontologie, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, zurück.
Hinweis: Das Titelfoto ist eine KI unterstützte, beispielhafte Rekonstruktion.
Vor Ort siehst Du diese Anlage in dieser Form nicht!


