Das Rimdidim – vom Naturfreundehaus zur Ruine

Rimdidim – diesen Namen kennen viele Menschen im Odenwald. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter?

Der Rimdidim ist ein rund 499 Meter hoher Berg bei Messbach im Fischbachtal. Früher soll sich hier ein Aussichtspunkt befunden haben, von dem aus man in alle Richtungen blicken konnte. Ob sich daraus tatsächlich der Name „Rimdidim“ ableitet, lässt sich heute allerdings nicht mehr eindeutig nachweisen. Einen weiten Blick in die Ferne hast du hier inzwischen leider nicht mehr: Der Fischbachtaler Wald hat sich den einst offenen Lebensraum zurückerobert.

Mit dem Namen Rimdidim verbindest du heute vor allem das ehemalige Odenwaldhaus des Tourist-Vereins „Die Naturfreunde“, Ortsgruppe Darmstadt e. V.

Die Anfänge des Naturfreundehauses

Das ursprüngliche Odenwaldhaus – der Name „Rimdidim“ war damals noch nicht gebräuchlich – bestand zunächst nur aus dem Gebäudeteil, den du auf dem untenstehenden Bild aus dem Jahr 1927 sehen kannst.

Errichtet wurde das Haus 1925 von den Naturfreunden Darmstadt. Auch die Naturfreunde aus Ober-Ramstadt halfen tatkräftig beim Bau mit. Mit Werkzeug und größeren Baumaterialien, die auf Handwagen transportiert wurden, machten sie sich zu Fuß auf den Weg zu der damals noch sehr abgelegenen Baustelle.

Am 14. und 15. Mai 1927 wurde die Einweihung schließlich mit einem großen Bergfest gefeiert.

Das Haus während der NS-Zeit

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderten sich auch die Verhältnisse für die Naturfreunde. Der Naturfreundeverein wurde zwangsaufgelöst und das Odenwaldhaus beschlagnahmt.

Im Jahr 1936 wurde das Gebäude durch einen Anbau erweitert. Auf dem folgenden historischen Bild ist dieser deutlich zu erkennen: Alles, was sich ab dem Turm nach links erstreckt, gehört zum später errichteten Erweiterungsbau.

In den 1930er-Jahren und während des Zweiten Weltkriegs nutzte die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) Darmstadt das Gebäude als Knabenübungslager. Vermutlich wurde es außerdem im Rahmen der Kinderlandverschickung genutzt.

Wenn du mehr über diese Zeit erfahren möchtest, lohnt sich auch ein Blick in das Gästebuch von Fischbachtal-Odw.de. Dort kannst du einige frühere Besucher und ihre Erinnerungen kennenlernen.

Das Rimdidim; AI generated


Zurück zu den Naturfreunden

Im Jahr 1948 wurde das Naturfreundehaus „Rimdidim“ an die Ortsgruppe Darmstadt zurückgegeben. Durch die zahlreichen An- und Umbauten war das Gebäude allerdings inzwischen so stark verändert worden, dass die Naturfreunde es nicht mehr alleine bewirtschaften konnten.

Deshalb schlossen sie 1949 einen Vertrag mit der Arbeiterwohlfahrt. Diese nutzte den neu hinzugekommenen Gebäudeteil als Kinderheim.

Verkaufspläne und das Ende des Naturfreundehauses

1965 wurde erstmals darüber nachgedacht, das „Rimdidim“ zu verkaufen und stattdessen ein neues Heim in der näheren Umgebung zu errichten.

Zu diesem Zweck erwarben die Naturfreunde 1967 ein rund 5.000 Quadratmeter großes Grundstück und ließen einen Bauplan erstellen. Die Gemeinde Steinau genehmigte das Vorhaben jedoch nicht.

Schließlich wurde das bisherige „Rimdidim“ 1969 an die Arbeiterwohlfahrt verkauft. Der Verkauf führte innerhalb der Ortsgruppe Darmstadt zu erheblichen Spannungen.

Vom traditionsreichen Haus zur Ruine

Nach zahlreichen Zweck- und Besitzerwechseln kam es im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zu einem verheerenden Brand.

Als die Feuerwehr alarmiert wurde, stand das Gebäude bereits in voller Ausdehnung in Flammen. Ein Vordringen in das Gebäudeinnere war für die Einsatzkräfte nicht mehr möglich. Zunächst schien es, als werde der Besitzer vermisst. Später stellte sich jedoch heraus, dass er sich zum Zeitpunkt des Brandes im Ausland aufhielt.

Eine weitere Schwierigkeit war die fehlende Löschwasserversorgung. Deshalb mussten Schlauchleitungen verlegt werden, um Wasser aus Messbach und Steinau zur Brandstelle zu fördern. Zusätzlich transportierten Tanklöschfahrzeuge im Pendelverkehr Wasser zum Einsatzort.

Die Nachlösch- und Aufräumarbeiten der Freiwilligen Feuerwehr Fischbachtal dauerten noch einen weiteren ganzen Tag.

Für das traditionsreiche Gebäude kam jedoch jede Hilfe zu spät. Es war nicht mehr zu retten und verfiel seitdem zunehmend.

Das Rimdidim heute

Heute erinnert nur noch die Ruine an die bewegte Geschichte des ehemaligen Naturfreundehauses. Was einst als Wander- und Erholungsheim errichtet wurde und Generationen von Menschen beherbergte, ist inzwischen dem Verfall preisgegeben.

Wenn du die Ruine besuchst, solltest du besonders vorsichtig sein. Das Gebäude ist stark verfallen und birgt entsprechende Gefahren. Betreten ist verboten! Wanderern wird deshalb empfohlen, die abgelegene Ruine nicht alleine aufzusuchen.

Inzwischen hat die Ruine erneut den Besitzer gewechselt. Damit endet die Geschichte des Rimdidim jedoch nicht unbedingt – denn der geheimnisvolle Ort und seine wechselvolle Vergangenheit sind bis heute eng mit der Geschichte des Fischbachtals verbunden.

Wir verwenden Cookies, wenn Du dieses Angebot nutzt zeigst Du dich hiermit einverstanden!