Die Kernbacher Hütten

Mitten im Fischbachtaler Wald liegt der Walddistrikt „Kernbach“. Abseits der großen Straßen und Wege findest du hier einen besonderen Ort, an dem sich Natur und Geschichte auf ganz eigene Weise verbinden.

Der Name „Kernbach“ geht vermutlich auf das althochdeutsche Wort „Quirnbuoch“ zurück und bedeutet nach heutiger Auffassung so viel wie „Buchenwald“. Passender könnte der Name kaum sein, denn rund um die Kernbacher Hütten prägt bis heute dichter Wald das Landschaftsbild.

An einem Ausläufer der „Altscheuer“ stehen zwei alleinstehende Häuser. Für die Einheimischen sind sie seit jeher einfach „de Hidde“ – also „die Hütten“. Wenn du heute durch den Wald hierher wanderst, kannst du dir kaum vorstellen, welche Bedeutung dieser abgelegene Platz früher einmal hatte.

Von Köhlern und Waldarbeitern

Die Entstehung der „Hütten Kernbach“ wird bis in das 16. Jahrhundert zurückdatiert und steht vermutlich in Zusammenhang mit dem nahegelegenen Schloss Lichtenberg. Ursprünglich waren die Gebäude wohl Behausung und Arbeitsstätte für Köhler und Waldarbeiter.

Von der Arbeit der Köhler zeugen noch heute Spuren im Wald. Unterhalb der Kernbacher Hütten befindet sich beispielsweise eine alte, inzwischen aufgelassene Köhlerplatte. Auch in der näheren Umgebung kannst du weitere solcher historischen Spuren entdecken.

Die Köhler stellten aus Holz Holzkohle her, die früher als wichtiger Brennstoff benötigt wurde. Ihre Arbeit war deshalb von großer Bedeutung – vermutlich auch für die Versorgung des Schlosses Lichtenberg und seines Umfelds mit Holzkohle. Wo heute Wanderer durch den stillen Wald spazieren, herrschte früher also reges Arbeiten und geschäftiges Treiben.

Aus der Waldhütte wird ein Ausflugsziel

Im Laufe der Zeit veränderte sich die Nutzung der Kernbacher Hütten. 1907 erhielt die „Kernbachhütte“ beziehungsweise ihr damaliger Besitzer eine Schankkonzession. Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte des abgelegenen Waldstandortes.

Die Schankwirtschaft stand vermutlich in engem Zusammenhang mit der Schellhaas’schen Hotellerie in Lichtenberg. Für Wanderer und Ausflügler entwickelte sich die Kernbachhütte zu einem beliebten Ziel. Wer von Lichtenberg oder durch den Fischbachtaler Wald unterwegs war, konnte hier einkehren, eine Pause einlegen und sich stärken.

So wurde aus der einstigen Unterkunft für Waldarbeiter und Köhler ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel.

Die Kernbacher Hütten, AI generated

Ein Stück Geschichte mitten im Wald

Bis 1965 bestand die Gaststätte und war damit über Jahrzehnte ein fester Bestandteil des Ausflugslebens rund um Lichtenberg und Fischbachtal. Danach endete die Zeit der Kernbacher Hütten als Gastwirtschaft.

Ihre Geschichte war damit jedoch noch lange nicht vorbei.

Wenn du heute zu den Kernbacher Hütten wanderst, findest du die beiden Gebäude noch immer an ihrem abgeschiedenen Platz im Wald. Vom früheren Wirtshausbetrieb ist auf den ersten Blick nicht mehr viel zu erkennen. Die Hütten werden inzwischen als ganz normale Wohnhäuser genutzt.

Gerade das macht den Ort interessant: Zwischen alten Bäumen, historischen Köhlerplatten und den beiden Häusern kannst du hier noch heute ein Stück der vergangenen Arbeits- und Ausflugsgeschichte des Fischbachtals entdecken.

Die Kernbacher Hütten – ein unscheinbarer Ort mitten im Wald, hinter dem sich Jahrhunderte voller Geschichte verbergen.

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